Ein nichtkommerzielles Lokalradio!

Das Freie Sender Kombinat als nichtkommerzielles Lokalradio

Das Freie Sender Kombinat FSK versteht sich als Freies Radio, organisiert sich nach den Prinzipien des Freien Gesellschaftsfunks. Das bedeutet zunächst einmal, daß sich im FSK Privatpersonen und Vereine, nicht jedoch UnternehmerInnen und Unternehmen zum Zwecke der Sendungsproduktion zusammengeschlossen haben. Anders als herkömmliche "private" Rundfunkanbieter verfolgt das Freie Sender Kombinat also keinerlei kommerzielle Interessen und unterliegt deshalb auch nicht dem branchenüblichen Zwang zur Formatierung des Programms als Verkaufsfläche für Werbespots. Das FSK finanziert sich, wie bei Freien Radios üblich, über die Förderbeiträge interessierter HörerInnen. Damit ist der Sendebetrieb nicht von einzelnen zentralen Zuwendungen abhängig.

Die SendungsproduzentInnen im Freien Radio sind, anders als beim privaten und beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, nicht bezahlte JournalistInnen; stattdessen ist das Radio prinzipiell für jedeN zugänglich, also im besten Sinne des Wortes öffentlich. Damit überschreitet das Freie Radio die Ordnung des dualen Rundfunksystems und wird zu etwas anderem als einer Mischform seiner beiden Pole, dem öffentlich-rechtlichen und dem privatwirtschaftlichen Rundfunk: Nicht erst das Produkt, die fertigen Sendungen, sind hier öffentlich, sondern bereits der Produktionsprozeß.

Freies Radio bildet somit eine dritte Säule im dualen Rundfunksystem und erweitert es folglich zu einem trialen System. Es etabliert einen neuen Begriff vom Medium selbst: Dieses wird nicht als Vermittlungsinstanz verstanden, die außerhalb seiner selbst, also gewissermaßen "vormedial" stattfindene Konflikte aufnimmt und als "Themen" zum Ausdruck bringt. Stattdessen ist das Radio selbst der Ort, an dem Auseinandersetzung öffentlich produziert wird. Es ist ein durchschaubarer und durchdringbarer Raum, darauf angelegt, seine Hörenden zu Sendenden zu machen. Das kann zum einen dadurch geschehen, daß sich die Hörenden über das Telefon oder Besuch im Studio an der jeweiligen Sendung beteiligen. Zum anderen ist Beteiligung gefordert durch das Mitwirken an der Sendungsproduktion oder das Herstellen eigener Sendungen. Das heißt aber auch immer: Beteiligung am Projekt FSK selber. Denn Freies Radio als selbstverwaltetes Projekt konstituiert sich aus denen, die es machen. Es ist nicht wie der Offene Kanal ein Raster von Leerstellen, die von den Sendungsmachenden beliebig aufgefüllt werden können. Das "Produkt" Freies Radio ist untrennbar an eine Diskussion über die eigene Praxis gekoppelt. Diese Auseinandersetzung sichert Kontinuität und gleichzeitig die Fähigkeit zur Veränderung durch Selbstreflexion. Dem einzelnen gibt Freies Radio also nicht nur die Möglichkeit, in einem vorgefundenen Rahmen öffentlich die eigene Meinung zu äußern, sondern diesen Rahmen gleichzeitig aktiv mitzugestalten.

Freies Radio versteht sich nicht als Vermittlungsinstanz, die nur einem kleinen Kreis von "Vermittlungsprofis", den JournalistInnen, einen Platz am Mikofon zubilligt. Stattdessen wird Freies Radio von ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gemacht, ist also ein Ort der Begegnung dieser Gruppen, und zwar über die Produktion der einzelnen Sendungen hinaus. Mitarbeit beim Freien Radio bedeutet also Vernetzung über die begrenzte Medialität des Rundfunks hinaus. Freies Radio findet nicht nur im Äther statt. Fast ganz von selbst ergeben sich aus der Vernetzung Veranstaltungen parallel zu Sendungen und Sendungen parallel zu Veranstaltungen. Das Freie Radio weist damit ständig über seine eigenen Grenzen hinaus, setzt Hörende und Sendende außerhalb der Sendungen miteinander in Bezug und senkt damit die Schwelle zum aktiven Mitwirken im Freien Radio.

Ausdruck dieser Integrationsleistung in der Struktur des FSK ist die Anbieterinnengemeinschaft, in der neben den einzelnen Radiogruppen, die das Projekt tragen, auch externe Anbieterinnnen, nämlich die AG-Stadtteilkultur e.V., RockCity Hamburg e.V., die Hamburger Studienbibliothek, die Hamburger Frauenzeitung und der Flüchtlingsrat vertreten sind.

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