Lignas Music Box: LEIDEN
„Weinend saß er am Ufer des Meeres. Dort saß er gewöhnlich. Und zerquälte sein Herz mit Weinen und Seufzen und Jammern.Und durchschaute mit Tränen die große Wüste des Meeres.“ „Ach! in Tränen verrann sein süßes Leben, voll Sehnsucht heimzukehren; saß er auf Felsen und sandigen Hügeln
Und zerquälte sein Herz mit Weinen und Seufzen und Jammern.“ Hätte man dem armen Odysseus eine Gitarre in die Hand gedrückt: er hätte seinen Blues sicherlich selber in unsterblichen Liedern vereweigt, sich dabei vielleicht in die eigene traurige Stimme verliebt und wäre einfach für immer auf Felsen und sandigem Hügel sitzen geblieben, traurig und fern der Heimat.
So aber blieb es jemand anderem vergönnt, den Jammer des Odysseus in 24 Gesänge zu verwandeln und damit eine geheimnisvolle Verbindung herzustellen, die heute noch Bestand hat: die zwischen Leid und Lied und zu der, wir wollen es nicht verschweigen, eine dritte Zutat gehört: die List - denn ohne ihre Hilfe wäre es Odysseus nicht möglich gewesen, sich aus seiner jammervollen Lage zu befreien und ein Abenteuer nach dem anderen gegen schreckliche Naturgötter und Monster zu bestehen. 2800 Jahre sind vergangen, seit Homer die ereignisreiche Heimreise des traurigen Odysseus besang, doch geändert hat sich im Wesentlichen nichts: Noch immer ist eine Musik ohne Leiden nicht vorstellbar. Und noch immer ist die List mit im Spiel: Denn werden Schmerz und Ungerechtigkeit erst besungen, sind sie auch schon halb überlistet. Wer es mit ihnen im Gesang aufnehmen kann, zeigt, dass er ihnen in die Augen blicken kann und ist der Bewältigung nahe. Das Lied ist die Ermächtigung, gegen jedes Leid anzugehen. Höchste Zeit, diesen wunderbaren Akt der Verwandlung von Leid in Musik aus den privaten vier Wänden zu befreien und der ganzen Stadt vorzuführen. Deshalb bittet Euch Lignas Musik Box heute, alles aus Euren Plattensammlungen herauszuschütteln, auf dem Gelitten, Gejammert und Geseufzt wird und es auf eine Odyssee durch die Hamburger Telefonleitungenbis zum Anschluss 432 500 46 zu schicken, auf dass es von vielen tausend mitleidenden Ohren erhört werde. Denn: Geteiltes Leid ist doppelt so schönes Leid.
