We are here to stay – fünf Jahre Kampf von Lampedusa in Hamburg

“Yeah, the only progress that we have was: we have already made history. That is the only thing that I can tell you. We made a name and we made history. We let the world know the situation of refugees. Before this refugee bubbles in Europe, we have been hanging every day on the streets... There was a time when we were doing demonstration every week, you know. [...] We have been brutally beaten, you know, because we are fighting for our social rights. And nothing happened, you know! And up until now, even when the law was changed about the issue of refugees Dublin 2 or whatever, nobody came up to represent the group even [...] the so called human rights lawyers nobody came up to represent us, we don't really know why ... even when we set it up, nobody showed interest. So, the only thing that, I said that we have achieved here is just that we just created history. So, that is it, that is what I can say, you know”.
Aussage eines Lampedusa-brothers
Die Lampedusagruppe setzt ein Zeichen nach fünf Jahren in Hamburg: Am Samstag, 30. Juni 2018, veranstalten wir eine politische Manifestation. Von unserem Zelt am Steindamm durch die Mönckebergstraße zum Rathaus demonstrieren wir mit kreativen Aktionen unseren Kampf um Menschenrechte, legale Fluchtwege, Beendigung der Lagersysteme, Bleibe- und Arbeitsrecht. Kommt dazu, nehmt teil und feiert mit uns abends! Beginn am Zelt, 14.00 Uhr
Aus dem transmitter, Juni 2018, eingeleitet mit:
Wir wollen endlich eine Lebensperspektive nach den vielen gestohlenen Jahren unseres Lebens. Seit unserer Ankunft in Hamburg im Frühjahr 2013 kämpfen wir um unsere Rechte.
Mit Lampedusa in Hamburg (LIH) geschah etwas in dieser Stadt. Keiner kannte uns, aber in kürzester Zeit entstand eine riesige Solidaritätswelle in der Bevölkerung.
Das hat aber nicht dazu geführt, dass wir offizielle Anerkennung als Flüchtlinge und Bleibe- und Arbeitsrecht bekommen haben. Das hat die Asylpolitik der EU und die Hamburger Politik verhindert.
Wir sind ursprünglich aus verschiedenen Gründen nach Libyen gegangen. Haben dort gearbeitet, um uns und unsere Familien in unseren jeweiligen Heimatländern die Lebensgrundlage zu sichern. Wir stammen aus verschiedenen afrikanischen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. 2011 bombardierten NATO-Verbände Libyen.
Das führte zur Flucht übers Mittelmeer nach Italien. Viele landeten auf der Insel Lampedusa. Nach zwei Jahren Asylverfahren in Italien waren wir anerkannte politische oder Kriegsflüchtlinge mit humanitärem Bleibe- und Arbeitsrecht. Die Lager, in denen wir untergebracht waren, wurden nach zwei Jahren geschlossen. Wir wurden aufgefordert, in andere europäische Länder zu gehen, weil es in Italien für uns keine Arbeit wegen der hohen Arbeitslosigkeit gab.
Das Dublin-System ist Europäisches Recht und besagt, dass jeder Geflüchtete nur im Land seiner Ankunft Asyl beantragen kann. Auch bei Anerkennung gilt das Asylrecht nur in diesem Land.
Wenn das Europäisches Recht ist, warum gilt es nur im Ankunftsland?
Unsere italienischen Dokumente waren also außerhalb Italiens nichts wert. Keiner hat uns das gesagt, erklären kann man das auch nicht.
Wir erlebten bei und nach unserer Ankunft in Hamburg zwei verschiedene Welten. Da war die großartige Welcome-Refugees-Solidarität, da war aber auch die Ablehnung, Diskriminierung und Nichtanerkennung seitens der Politik. Wir erlebten Obdachlosigkeit, also leben in Angst auf den Straßen, Rassismus und Unsicherheit. Wir hatten in Libyen eine sichere Art zu leben, denn es gab immer eine Existenzmöglichkeit.
Der NATO-Krieg machte uns über Nacht zu Flüchtenden. Wir haben unser Leben in Booten über das Mittelmeer riskiert, wir haben Freunde und Familienmitglieder ertrinken sehen. Wir haben Europa in Italien erreicht, um dann hier in Hamburg missachtet zu werden. Wir waren die afrikanischen Flüchtlinge aus Libyen. Was das für jeden einzelnen von uns bedeutete, wurde offiziell und politisch gar nicht erwähnt. Grabesstille.
Wir begriffen, dass Europa mit dem Dublinsystem uns betrog! Dagegen mussten wir uns wehren, deshalb gründeten wir die Gruppe „Lampedusa in Hamburg“, um dem politischen Dublin-Labyrinth unseren politischen, selbstorganisierten Kampf ums Überleben entgegen- setzen zu können!
Das passte den Herren und Damen im Hamburger Senat erst recht nicht. Mit Unterstützung und großer Solidarität von Hamburger AktivistInnen und InternationalistInnen, organisierten wir viele Aktionen und Demonstrationen, die größte im November 2013 mit 15.000 Menschen. Wir kämpften auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Der Höhepunkt war unsere selbstorganisierte Internationale Konferenz für Flüchtlinge und MigrantInnen auf Kampnagel im Februar 2016, mit ca. 2000 Teilnehmern.
Wir trugen unsere Forderungen in die Öffentlichkeit: Bleiberecht, Anerkennung unserer italienischen Aufenthaltspapiere und das Recht zu arbeiten! Wir beriefen uns auf den $ 23
Ausländerrecht, der die Möglichkeit bietet, Gruppen von Flüchtlingen Aufenthalts- und Bleiberecht zu gewähren.
Wir legten die Finger in die Wunden des Problems, wir nannten es beim Namen: Die Kriege mit den Waffen der U.S.A. und Europa, die auch in arabische und afrikanische Länder verkauft werden, machen uns zu Flüchtlingen! Der Klimawandel und die Ressourcen-Ausbeutung des afrikanischen Kontinents machen uns zu Flüchtlingen! Das hört man in der Politik nicht gern! Deshalb stehen wir nach fünf Jahren unseres Kampfes politisch und sozial noch an dem selben Punkt wie am Anfang.

Die SPD-Politik, nach 2015 zusammen mit den Grünen, hat uns hingehalten, abgewiesen und betrogen. Der politische Kampf ist immer ein schwieriger, komplexer, harter. Aber er hört nicht auf, bevor wir nicht unsere Ziele erreichen und unsere Forderungen durchgesetzt haben. Er hört nicht auf, bevor nicht Martin Luther Kings Traum von dem Tag an dem alle Menschen gleichberechtigt und frei sein werden, gekommen ist. LiH bleibt – wir bleiben und setzen unseren Kampf fort.
In den fünf Jahren hat die LiH-Gruppe erreicht, dass wir über unser eigenes Schicksal hinaus das aller Flüchtlinge angeprangert haben. Die massive auch aggressive Verschärfung der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik (Deportationen nach Afghanistan und vieles andere) bedeutet für uns, mit allen Flüchtlingsgruppen zusammen zu arbeiten. Die Bedingungen der Refugees in den Lagern ist unerträglich, und der neue Innenminister Seehofer geht immer noch einen Schritt weiter: Riesige Lagerzentren sind geplant (ANKERzentren). Die Refugees sollen nur noch in diesen Kasernen untergebracht werden während des Asylverfahrens. Damit erfüllt er die Politik der AfD und der gesamten gefährlichen Rechtsentwicklung. Wir haben in den fünf Jahren in Hamburg erlebt, dass die von den Politikern immer wieder betonte „Bekämpfung der Fluchtursachen“ in Wahrheit so aussieht: Deals und instransparente Verträge mit afrikanischen Diktatoren. Sie bekommen viel Geld, um afrikanische Menschen von der Flucht zurückzuhalten. In Afrika sollen Migrationszentren errichtet werden, also Lagersysteme auch in Afrika. NATO-Verbände, so auch die Bundeswehr, sind in Mali, Niger und anderen Ländern stationiert.

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