FSK-Workshop #2 – »Freies Radio« und Intervention (Mo.,17.12.18 | 19:30 | FSK)


FREIES RADIO UND INTERVENTION

Millitante Untersuchung:
Ein urbaner Konflikt – Blickwinkel auf die Balduintreppe
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Einladung zum zweiten Workshop im Freien Sender Kombinat
Montag, 17. Dezember 2018, 19:30 Uhr, FSK
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heute (Mo., 17.12.) findet um 19:30 der zweite FSK-Workshop im FSK statt. Wir möchten damit einen Beitrag zur Entwicklung einer dringend notwendigen inhaltlichen Arbeit im FSK leisten. Diese ist nicht nur unverzichtbar, um den Prozess einer Selbstverständigung der am Sender Beteiligten zu stärken oder erst wieder in Gang zu bringen. Sie ist ebenso erforderlich, um Blockaden zu überwinden, die das FSK seit geraumer Zeit lähmen.

Ging es beim ersten Treffen im September um das Thema »Freies Radio und Öffentlichkeit«, möchten wir jetzt die Interventionsmöglichkeiten des Freien Radios diskutieren. Neben grundsätzlichen Fragen, möchten wir das Thema exemplarisch am Beispiel der aktuellen Auseinandersetzungen um die Drogenverkäufe an den Hafenstraßen-Häusern diskutieren. Immer vor der Frage, welches Verhältnis wir als Freies Radio zu den lokalen Auseinandersetzungen entwickeln und was darin die spezifischen Momente von Radio-Praxis sein können.

Als Einführung in die Diskussion wird es zwei Impulsreferate geben:

Benjamin Sprick von agoRadio will anhand eines Gesprächs von Deleuze und Foucault der Theorie als einer Praxis zu ihrem Recht verhelfen: Die Theorie werde eine Praxis nicht ausdrücken, übersetzen oder anwenden; vielmehr sei sie eine Praxis. Allerdings eine lokale, regionale und eine nicht totalisierende. „Der Kampf gegen die Macht, der Kampf dafür, sie dort sichtbar zu machen und anzutasten, wo sie am unsichtbarsten und hinterhältigsten ist.“

Mitte der 90er Jahre machte das FSK anhand der Auseinandersetzungen im Schanzenviertel – „Eine Schanze gegen Dealer!“ vs. „Mach meinen Dealer nicht an!“ – die Interessen und Motivationslagen zum Gegenstand der Reflektion psycho-ökonomischer Konstellationen. Dies wäre nicht möglich gewesen ohne den engen Austausch mit Gruppen, die damals eine umfassende Kritik aller vorgefundenen Drogendiskurse vornahmen. Redakteure von Quergelesen und von Difficult Music wollen an diese besseren Zeiten Freien Radios nicht nostalgisch erinnern, sondern gerne darüber diskutieren, wie eine Praxis von „Militanter Untersuchung“ reaktualisiert werden könnte und welche Ressourcen Freies Radio hierfür potenziell bereits besitzt bzw. entwickeln sollte.

Im Anhang findet Ihr die komplette Einladung als PDF und auf unserem Blog könnt Ihr die Referate zu unserem ersten Workshop nachlesen.

Es würde uns sehr freuen, wenn Ihr in die Diskussion mit einsteigt!

Aus der Einladung:

Der zweite Radioworkshop widmet sich dem Thema „Freies Radio und Intervention“.

Verstanden sich die Freien und Piratenradios in den 80er Jahren meist als Radios „aus der Bewegung für die Bewegung“, so war die Genese des Freien Senderkombinats demgegenüber schon in kritischer Distanz zu den zerfallenden sozialen Bewegungen. Das entband nicht davon, sich auch der „Gegenöffentlichkeit“ zu widmen, doch wurde dies zunehmend marginal gegenüber notwendig zu führender Kritik an Bewegung als Selbstzweck. Zeitgleich verlor Freies Radio auch seine „Unmittelbarkeit“, d.h. anders als in früheren Jahren kann jede/r heute unabhängig vom Zugriff auf eine UKW-Frequenz zum/r Sendenden werden – was aber der gesellschaftlichen Atomisierung und Vereinzelung nichts entgegensetzt, sondern diese vielmehr exekutiert.

Hier käme das freie Radio ins Spiel, als Ort (im wörtlichen Sinne!), der Reflektion und das Zusammentragen von Erfahrung nicht nur ermöglicht, sondern auch zum öffentlichen Gegenstand macht – und damit eine besondere Form der Assoziation beinhalteten kann: sowohl die Sendenden als auch die Hörenden sind Teil von gesellschaftlichen Prozessen – und das durchaus in unterschiedlichen und widersprüchlichen Momenten. Für die jeweils individuellen Erfahrungen aus den alltäglichen Auseinandersetzungen und den unmittelbaren Kämpfen kann Freies Radio einen gemeinsamen Ort schaffen: nicht als Simulation von „Bewegung“ sondern als eine Assoziation von Reflektion und Untersuchung.

Auf dem Radioworkshop wollen wir diskutieren, wo auf der Ebene der Intervention Eingriffsmöglichkeiten und Diskussionspunkte für Freies Radio zu sehen sind. Dabei soll es darum gehen, Ideen zu entwickeln, wie wir mit bestimmten lokalen Konflikten in der Stadt umgehen und welche Potenziale Freien Radios dabei jeweils aufzuspüren und ins Spiel zu bringen wären.

Welche Erfahrungen hat es dabei schon mit konkreten Konflikten gegeben? Welche Grenzen sollte sich die Berichterstattung selbst auferlegen? Wie kann Freies Radio nicht nur analysieren sondern auch intervenieren und wie lässt sich beides auch öffentlich verbinden und reflektieren? Was an bisher unentdeckten Möglichkeiten vermag Freies Radio freizusetzen, wenn es sich so ernst nimmt, wie den Gegenstand der Intervention?

Einer der Konflikte, den wir beispielhaft diskutieren wollen, ist der Umgang mit Drogen und ihrer sichtbaren Verfügbarmachung im Hamburger Stadtgebiet. Neben St. Georg und dem Schanzenviertel bündeln sich seit Jahren rund um das Ensemble der Hafenstraßenhäuser die Auseinandersetzungen um Teilhabe an einer Stadt, die als Tourismusmetropole immer mehr zum Potemkinschen Dorf verkommt. Eine vor Ort omnipräsente Polizei führt rassistische Kontrollen gegen schwarze Menschen durch, so zumindest die linke Lesart dessen, was die Seite des Staates als Durchsetzung von Straf- und Betäubungsmittelgesetzen und des Aufenthaltsrechts beschreiben würde.

In St. Pauli, wo Touristen aus aller Welt visumsfrei ihr Geld in den Kneipen der Hansestadt verprassen und zwischendurch illegalisierte Drogen für die verlängerte Sauftour erstehen, stehen sich für deren Spaß illegalisierte Flüchtlinge die Beine in den Bauch und bringen als unterstes Glied einer rassistisch organisierten internationalen Arbeitsteilung die begehrte Ware an die Kundschaft. Zugleich drohen die einen Anwohner*innen im Abnutzungskrieg gegen die Staatsmacht zu unterliegen, während wiederum andere gegen „die Dealer“ zum ersten Mal ihr Herz für die staatliche Exekutive entdecken.

Das Setting der Hafentreppe wurde auch deshalb gewählt, weil sich schon bei der Vorbereitung hitzige Diskussion über verschiedene Blickwinkel auf das Thema ergaben. Und genau da liegt dann eine spannende Frage für ein Freies Radio: Wie lassen sich komplexe Themen gemeinsam und aus verschiedenen Blickwinkeln im Radioprogramm zum Gegenstand machen?

Als Einführung in die Diskussion wird es zwei Impulsreferate geben. Benjamin Sprick (agoRadio) will anhand eines Gesprächs von Deleuze und Foucault der Theorie als einer Praxis zu ihrem Recht verhelfen: Die Theorie werde eine Praxis nicht ausdrücken, übersetzen oder anwenden; vielmehr sei sie eine Praxis. Allerdings eine lokale, regionale und eine nicht totalisierende. „Der Kampf gegen die Macht, der Kampf dafür, sie dort sichtbar zu machen und anzutasten, wo sie am unsichtbarsten und hinterhältigsten ist.“

Mitte der 90er Jahre machte das FSK anhand der Auseinandersetzungen im Schanzenviertel – „Eine Schanze gegen Dealer!“ vs. „Mach meinen Dealer nicht an!“ – die Interessen und Motivationslagen zum Gegenstand der Reflektion psycho-ökonomischer Konstellationen. Dies wäre nicht möglich gewesen ohne den engen Austausch mit Gruppen, die damals eine umfassende Kritik aller vorgefundenen Drogendiskurse vornahmen. Die Redakteure der Sendungen Quergelesen und Difficult Music vom FSK wollen an diese besseren Zeiten Freien Radios nicht nostalgisch erinnern, sondern gerne darüber diskutieren, wie eine Praxis von „Militanter Untersuchung“ reaktualisiert werden könnte und welche Ressourcen Freies Radio hierfür potenziell bereits besitzt bzw. entwickeln sollte.
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Wir haben die Initiative zu regelmäßigen Workshops innerhalb des FSK ergriffen, um einen Bei­trag zur Entwicklung einer dringend notwendigen inhaltlichen Arbeit zu leisten. Sie ist nicht nur unverzichtbar, um den Prozess einer Selbstverständigung der am Sender Beteiligten zu stärken oder erst wieder in Gang zu bringen. Sie ist ebenso erforderlich, um Blockaden zu überwinden, die das FSK seit geraumer Zeit lähmen. Die Beiträge des FSK-Workshop #1 findet Ihr unter: http://fskworkshop.wordpress.com/
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Die Workshop-Organisator*innen sind FSK-Aktive aus unterschiedlichen Redaktionen und Sendungen sowie aus den Radiogruppen Stadtteilradio, projekt_r und Radio Loretta
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