Ein Veranstaltungstip zur Relektüre 1968: Jenseits von Interesse und Identität? 
Zum Verhältnis der Alten und der Neuen Linken

Sonnabend, 23. Februar 2019 | Fabrique im Gängeviertel | Valentinskamp 28a | 19 Uhr

Podiums- und Publikumsdiskussion mit Sandro Mezzadra (Universität Bologna), Mario Neumann (Universität Kassel), Ines Schwerdtner (Ada Magazin, in Kooperation mit Jacobin Magazine) und Ingar Solty (Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Die Streitschrift „Jenseits von Interesse und Identität“ von Mezzadra und Neumann for- muliert die These, dass Klassen- und Identitätspolitik praktisch keinen Gegensatz bilden, auch wenn gegenwärtige Theorien dieses Verhältnisses das Gegenteil behaupten. Seit Eribons „Rückkehr nach Reims“ haben sich unterschiedliche Fraktionen der Linken so geäußert, als wäre der Abschied von der Klassenpolitik nach 1968ff. vollzogen worden, so dass der heutige „Rechtsruck“ Ergebnis dieser Fokussierung auf Minderheiten und Randgruppen sei. Die Linke sei zu sehr in den universitären Diskursen aufgegangen und habe die Sprache des „einfachen Volkes“ verlernt.
Es lässt sich jedoch historisch zeigen, dass die gesellschaftlichen Kämpfe dann sich zuspitzten, wenn Klassen- und Identitätspolitiken sich vermischten: Die wilden Streiks der 1970er wurden wesentlich von Migrant*innen geprägt, die feministische Kritik der Hausarbeit und des ökonomischen Sexismus störte das patriarchale Funktionieren in Fabrik und Familie. Es scheint so, als wäre das Parteiergreifen für eine reine Klassenpolitik ebenso unmöglich, wie das Postulat, die Klassenpolitik endlich zu vergessen, um die gute Stimmung in der Kleingruppe oder in der solidarischen Nachbarschaft nicht zu gefährden. Die Diskussion um das Verhältnis von Alter und Neuer Linken, von Klassen- und Identitätspolitik scheint zu dem Kampffeld geworden zu sein, auf dem die Krise der Linken sich entfaltet und aufgehoben werden müsste. Auf dem Podium werden sich Positionen versammeln, die ihre theoretischen Annahmen mit einer Praxis konfrontieren, die merkwürdige Mischungsverhältnisse mit sich bringt, weniger Gegensätze, als vielmehr eine Aufforderung, schließlich darüber zu streiten.

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