Hans-Joachim Lenger 1952–2019

24.4.2019, 18:00 Uhr
Unendliche Insistenz Endlicher
Gedenkfeier für Prof. Dr. Hans-Joachim Lenger (1952–2019)
Ort: HFBK Hamburg, Aula

Gedenkfeier in Erinnerung an den langjährigen und hochgeschätzten Professor, Philosophen und Freund, Hans-Joachim Lenger. Er hat von Beginn seiner Tätigkeit an der HFBK Hamburg im Jahr 1983 den philosophischen Diskurs über das, was Kunst ist, sein kann und soll, mit Nachdruck vorangetrieben und von einem kritischen, politischen Standpunkt aus reflektiert.

Als verantwortlicher Redakteur der „Spuren. Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft“ hat er in den 1990er Jahren wichtige Akzente gesetzt - auch über die Hochschule hinaus. Er hat den Promotionsstudiengang maßgeblich mitentwickelt und schließlich das Graduiertenkolleg „Ästhetiken des Virtuellen“ konzipiert und geleitet. Folgerichtig hat er sich auch in die Hochschulpolitik eingebracht, an der Profilierung der Hochschule mitgewirkt und sich regelmäßig publizistisch mit Beiträgen in verschiedenen Medien u.a. im Hochschulmagazin Lerchenfeld oder im von ihm mitbegründeten agoradio zu Wort gemeldet.

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Jean-Luc Nancy und Beiträgen von Martin Köttering, Benjamin Sprick, Nicola Torke und David Wallraf

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Hans-Joachim Lenger: http://www.hjlenger.de
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agoRadio: http://www.agoradio.de
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Denker in steter Unruhe
Geprägt von 1968 und Poststrukturalismus: Der Hamburger Philosoph und Kunsttheorie-Professor Hans-Joachim Lenger ist verstorben.

(HAMBURG taz) Dass der Kapitalismus den Horizont seiner eigenen Zukunft längst hinter sich gelassen hat, wurde von Hans-Joachim Lenger, Philosoph, Autor und Professor für Theorie und Geschichte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK), niemals in Zweifel gezogen. In immer neuen sprachlichen Wendungen stellte er einer aus den Fugen geratenen politischen Gegenwart ihre niederschmetternde Diagnose und hob sich dabei deutlich von einer um sich greifenden, durch gängige Floskeln geprägten und entschärfenden Kapitalismuskritik ab.

Lengers Rede legte ökonomische und semiotische Aporien im Aktuellen frei, deren Spuren bis weit in die Geschichte der Philosophie zurückreichen. Als vermeintlicher Vordenker einer in die Jahre gekommenen politischen Linken wollte er dabei gewiss nicht gelten. (zum TAZ Hamburg Artikel vom 13. April 2019)

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„Aus hundert Häfen schallt hitzig der Ruf / nach dem Gefährten, den verschwitzten/ Burschen mit braunen Gesichtern, durch die / Bewohner der Küste, die Gärten / mit Disteln und kleine schmutzige Strände / Wirst du, schmuckloser Toter von mir verlangen, / dass ich lasse von dieser Passion, / dem verzweifelten Sein in der Welt?“
(Pier Paolo Pasolini)

Difficult Music-Sendung zu Hans-Joachim Lenger vom 8. April 2019
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Öffentlichkeit und „freie Radios“
„Technologische Fragen jedenfalls korrespondieren aufs engste mit dem Begriff der Öffentlichkeit. Denn Medientechniken stellen Öffentlichkeiten erst her – auch ein Radiosender ist zunächst ein technisches Medium, das sich in der Öffentlichkeit bewegt, Öffentlichkeit erzeugt und selbst öffentlichen Charakter trägt. Fatalerweise ist dies im FSK in den vergangenen Monaten, vielleicht sogar Jahren in den Hintergrund getreten. Es scheint, als habe sich das FSK stattdessen in einer Art Selbstbezüglichkeit Einzelner verloren, als habe es sich vehement vom Öffentlichen zurückgezogen, in gewisser Weise privatisiert, dabei notwendig zersplittert und ginge selbst in einer egozentrischen Nabelschau einzelner auf, die mit quälenden internen Blockaden einhergeht. Umso mehr aber müssten Fragen der Öffentlichkeit und einer öffentlichen Wirkung des Senders wieder in den Vordergrund treten, müsste man ihn als Medium erneut auf seinen eigenen Begriff bringen. Und das heißt: vom „Außen“ auszugehen, nicht von der je eigenen Befindlichkeit, und dieses Medium öffentlich wirksam werden lassen, indem man es in eine offensive Sendepraxis zurückführt.“ (aus: Hans-Joachim Lenger, Öffentlichkeit und „freie Radios“ (FSK-Workshop #1, 2017)

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