Sonnabend, 20 Uhr: Lignas Music Box - SÜßES GIFT

Das Versprechen von nichts und allem und die zartesten Versuchungen seit es Saccharin gibt, Hauptsache süß, zuckrig und klebrig...

Es geht vielleicht so:
Zuunterst – soll es hoch hinaufgehen, muss man immer unten anfangen – ein klassischer Mürbeteig aus feinst geriebenen Mandeln, einem Übermaß an Zucker und einer mehr als großzügig bemessenen Portion weicher Butter (und selbstverständlich das Mehl nicht zu vergessen, der Konsistenz geschuldet). Nunmehr zur darüberliegenden Füllung:
Beliebige Mengen hochkalorischer Sahne, allerfeinste gemahlene Walnüsse, sehr lange karamelisierter und daher äußerst dickflüssiger Zucker, einige großzügige Löffel Honig, zur Verfeinerung noch das Innere einer Vanilleschote und nicht zu vergessen Butter, Butter, Butter (eiskalt und gestückelt) zum Aufmontieren. Darauf noch feinste, grob zerkleinerte Schokolade (sehr süß und sehr schwarz). Etwas abwegig wahlweise mit Exotismen wie Seegras- und Heidelbeeraromen zu versetzen. Und oben – erst nach dem Backen zu arrangieren – auf der Spitze (dem Gaumen zugeneigt) eine in allen Farben des nördlichen Abendhimmels funkelnde Perle: allerfeinster, gepresster weißer Rohrohrzucker, darin eingeschlossen kleine getrocknete Blüten (Flügelglöckchen) und feiner Goldstaub.
Die Wirkung dieses kulinarischen Genusses – wenn er einem nicht alle Sinne raubt – ist vielleicht ein wenig so, wie Baudelaire es für ein anderes „Gift“ annahm:
Der Wein verwandelt oft die schmutzigsten Spelunken
In Schlösser voller Märchenpracht,
Und Säulenhallen er vor uns erstehen macht
Aus rotem Dunst und goldnen Funken,
Wie eine Sonne, die versinkt in Nebelnacht.
Doch bevor die Sonne versinkt, Lignas Music Box wird heute unweigerlich zur Beratungsstelle für Zuckersucht. Einerlei ob Süßes für die Süße, zart dahinschmelzende Melodien, likörige Beats oder das Knistern feinen Puderzuckers zwischen den Plattenrillen: Wir möchten die süßesten und in jeder Hinsicht überzuckerten Kostbarkeiten eurer Plattensammlung hören. Einfach ein Stück auswählen, Telefonhörer vor den Lautsprecher halten und 432 500 46 wählen. Gemeinsam können wir dann ein wenig über das süße Leben sinnieren (unweigerlich auch über dessen Kehrseiten – die lange Geschichte von Kolonialismus und Zuckerrohr, Zuckerschocks und andere unwillkommene Nebenwirkungen übermäßigen Konsums süßer Gifte).
Und vielleicht werden wir auch endlich ergründen, warum Zucker in Würfelform verabreicht wird. Oder gemeinsam assoziierte Orte bereisen, vom Zuckerhut bis zum süßen Zuhause. Jegliches süße Gift in musikalischer Form, welches uns für immer abhängig macht, ist willkommen. Und zwischen den Stücken lutschen wir diese mit dem etwas exotischen Namen „Perles de Pyrénées“ bezeichneten Bonbons, die nicht nur einen Tropfen Sarcanthusöl enthalten, sondern jeweils auch einen Tropfen in Zucker kristallisierter musikalischer Essenz. Diese gilt es dann anhand ihrer Geschmacksnote zu erraten, bevor sie sich wie eine Radiowelle im Äther wieder verflüchtigt...

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